Thema suchen
Stichwort:
» Detailsuche
Übersicht Bilder
Winterstarre (Hibernation) von Griechischen Landschildkröten

Wie alle mediterranen Landschildkröten, halten auch die Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni) bereits ab ihrem ersten Lebensjahr eine Winterstarre.

 

Grundsätzliches

- Überwinterung bei 4-6°C in einer mit leicht feuchtem Laub gefüllten Box  (ist am leichtesten im Kühlschrank umzusetzen)
- zwei bis drei Monate vor der geplanten Winterstarre sollte frischer Kot auf Parasitenbefall untersucht und ggf. behandelt werden
- kranke Schildkröten dürfen nicht kalt überwintert werden, sie verbringen den Winter im Terrarium bei 38-40°C Sonnenplatztemperatur
- Einmal monatlich Gewicht kontrollieren. Bei einem Gewichtsverlust von mehr als 10% auswintern

 

Vorbereitung im Freigehege

Schildkröten im Freiland bereiten sich selbst auf die Winterstarre vor. Die Tiere stellen die Nahrungsaufnahme selbstständig ein und entleeren größtenteils ihren Darm.

 

Vorbereitung im Terrarium (Beginn etwa Mitte Oktober)

Woche 1:
Beleuchtungsdauer Wärmelampe: Von 8 Stunden auf 5 Stunden
Umgebungstemperatur Tag: 19-20 °C
Temperatur Nacht: 13-15 °C
Schildkröte einmal 10 Minuten baden

Woche 2 :
Beleuchtungsdauer Wärmelampe: 4 Stunden
Umgebungstemperatur Tag: 17-18 °C
Temperatur Nacht: 10-12 °C
Nahrungsaufnahme wird eingestellt

Woche 3:
Beleuchtungsdauer Wärmelampe: 3 Stunden
Umgebungstemperatur Tag: 14-15 °C
Temperatur Nacht: 8-10 °C

Woche 4:
Beleuchtungsdauer Wärmelampe: 2 Stunden
Umgebungstemperatur Tag: 10-11 °C
Temperatur Nacht: 6-8 °C

Ende Woche 4:
Die Beleuchtung ist ausgeschaltet und der Kühlschrank inklusive mit Laub gefüllten Boxen vorbereitet...

 

Winterstarre (Beginn etwa Mitte November)

Überführung in den Kühlschrank bei 4-6°C für ungefähr 4 Monate.
Den Kühlschrank zur Sauerstoffversorgung 1-2 mal pro Woche öffnen. 

 

Auswinterung im Freigehege (etwa Mitte März)

Bei der Überwinterung in einer Überwinterungsgrube im Freiland (Gewächshaus, Frühbeet..) graben sich die Schildkröten von alleine aus, sobald die Temperaturen steigen. Ab diesem Zeitpunkt sollten die Temperaturen nachts nicht mehr unter 10 °C fallen. Dies kann z.B. mit einem Thermo-Timer gesteuert werden, der einen Elstein-Strahler oder ein Schutzhaus mit Deckelheizung in der Nacht einschaltet. Wer ein Gewächshaus hat, aber keinen Strom, kann eine Gewächshausheizung hierfür nutzen.

 

Auswinterung im Haus (etwa Mitte März)

Tag 1:
Temperatur auf 6-8°C erhöhen

Tag 2 :
Temperatur auf 10-12°C erhöhen

Tag3:
Temperatur auf 14-16°C erhöhen

Tag 4:
Temperatur auf 18-20°C erhöhen

Tag 5:
Beleuchtungsdauer Wärmelampe: ca. 3 Stunden bei 38-40°C Sonnenplatztemperatur.

Tag 6:
Beleuchtungsdauer Wärmelampe: ca. 8 Stunden bei 38-40°C Sonnenplatztemperatur.

 

Winterstarre-Dauer bei Europäischen Landschildkröten


Art Dauer der Winterruhe Temperatur
Griechische Landschildkröte, (Ostrasse), 4-5 Monate 4-6 Grad
Testudo hermanni boettgeri
Griechische Landschildkröte, (Westrasse), 3-5 Monate 4-6 Grad
Testudo hermanni hermanni
Maurische Landschildkröte, 3-5 Monate 4-6 Grad
T. graeca ibera:
Andere Unterarten von der Maurischen Landschildkröte T. graeca nicht überwintern keine Winterruhe!
Vierzehenschildkröte/Steppenschildkröte, 4-5 Monate 2-4 Grad
Agrionemys horsfieldii

 

Winterstarre-Dauer bei Europäischen Landschildkröten

Meiner Meinung nach ist die Überwinterung im Kühschrank die sicherste Methode zur Überwinterung von Schildkröten. Die Temperatur ist leicht zu überwachen und schwankt nicht wie im Keller oder im Freiland. Sehr viele Halter überwintern ihre daher Tiere ebenfalls im Kühlschrank. Das Substrat besteht dabei aus leicht feuchtem Gartenerde/Sand- Gemisch, in dem sich die Schildkröte eingräbt und als obere Schicht feuchtes Laub.
Als Überwachung der richtigen Temperatur dient ein UT100 , der seinen Sensor im Substrat hat. Dieser ist ein in meinen Augen sehr wichtiges Zubehör bei der Kühlschrank-Überwinterung! Er wird ganz einfach in die Steckdose gesteckt, die gewünschte Temperatur eingestellt (bei mir ist das: Strom abschalten bei unter 3,5 Grad, wieder einschalten bei 6,5 Grad), den Temperaturfühler in das Behältnis der Landschildkröte und der Stecker des Kühlschranks in den UT100 / UT200. Fertig!

 

Die richtige Temperatur entscheidet über Leben und Tod während der Winterstarre

Wenn man einen Keller hat, kann man die Tiere natürlich auch dort überwintern, allerdings nur wenn die Temperatur nicht unter 4°C und nicht über 6°C bewegt, ansonsten kann es gefährlich für die Schildkröte werden. Ich zitiere hierzu den Schildkrötenspezialisten Dr.Markus Baur von der Uniklink München:
"Zur Überwinterungstemperatur muss nochmals festgestellt werden, dass diese bei 4-6°C liegen sollte. In diesem Temperaturbereich sind die Tiere vollkommen inaktiv und bewegen sich kaum mehr. Die Atem- und Pulsfrequenz ist auf ein Minimum herabgesetzt und der Stoffwechsel läuft förmlich auf „Sparflamme“, sodass kein Fettabbau stattfindet. In diesem Zustand vermögen die Tiere ohne Gewichtsverlust für mehrere Monate problemlos zu verharren. Bereits bei 8 °C beginnt der Fettabbau in Gang zu kommen. Da jedoch alle Ab-, Um- und Aufbauprozesse eines Organismus über Enzymwirkungen ablaufen, Enzyme jedoch temperaturabhängig wirken, läuft der Fettabbau zur Energiegewinnung nur unvollständig ab. Die dabei vermehrt anfallenden Zwischenabbauprodukte sind z.T. giftig bzw. leberschädigend und führen zu zum Teil tödlichen Leberstoffwechselstörungen. Im Prinzip ist eine nicht optimale Überwinterungstemperatur, in Kellern, Lichtschächten, auf Dachböden oder ungeheizten Räumen (z.B. Schlafzimmern) durchaus vergleichbar mit `Nahrungsentzug während der Aktivitätszeiten."  

Bilder


Facebook Twitter