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Schmuck-Dosenschildkröte - Terrapene ornata ornata

Diese Dosenschildkrötenart gehört zu den schönsten und agilsten aber leider auch zu den heikelsten und bedarf erfahrener Hände. 
Der dunkelbraune, meist fast schwarze Carapax ist deutlich flacher als bei den anderen Terrapene Arten und deutlich zu unterscheiden. Er besitzt eine attraktive gelbe Strahlenzeichnung, ebenso das Plastron. Kopf und Gliedmaßen sind hell, oftmals auch gelb bis orange oder sogar Rot gefleckt. Besonders begehrt sind Männchen mit der sehr seltenen Blau-Färbung am Kopf. Ausbildung der Hinterextremitäten (keine Schwimmhäute), Geschlechtlich divergierende Farbe der Iris und Geschlechterunterscheidung wie bei den anderen Terrapene-Arten beschrieben.
Der Carapax erreicht eine Größe von 10,2 cm bis selten über 14 cm.
 
Vorkommen
 
USA, Süd-Ost Arizona bis Süd Wisconsin, Indiana und Louisiana und Mexiko, Nord-Ost Sonora und Nord-Chihuahua.
 
Lebensraum
 
Diese Terrapene-Art hat sich von der sonst üblichen Lebensweise (feucht-warm, Gewässernähe) der Dosenschildkröten am weitesten entfernt. Sie ist kaum an feuchte Regionen gebunden, sie bevorzugt steppenartige, halbtrockene Prärie- und Graslandschaften und ist gut an wechselnde Klimaverhältnisse angepasst. Lediglich mit den mitunter feucht-kühlen Sommertagen des mitteleuropäischen Klimas kommt sie nicht zurecht und darin liegt u.a. das Problem in ihrer Haltung, worauf im Haltungsteil noch näher eingegangen wird.
 
Lebensweise
 
Auch diese Art ist überwiegend morgens und abends aktiv. Während der Tageshitze werden gerne Erdhöhlen oder andere Verstecke aufgesucht. In der Erde halten sie auch ihre Winterruhe. Auch sie ernähren sich stark carnivor, aufgrund des trockeneren Lebensraumes jedoch etwas stärker als die Terrapene-Arten des Carolina Komplexes. Sukkulenten und Früchte von Kakteen werden gerne gefressen, ansonsten alles, was sie bewältigen können. Diese Art gehört zu meiner Lieblingsterrapene, da sie aufgrund des deutlich kargeren Beutespektrums in ihrem Lebensraum wesentlich agiler und aggressiver auf die Jagd geht. Meine Tiere scheuen nicht davor zurück, im "Rudel" adulte Futter-Mäuse in einem ungeahnten Tempo gezielt in die Ecke zu drängen und zu erlegen! (Aus Tierschutzgründen verfüttere ich natürlich nur abgetötete Mäuse, lediglich zu Versuchszwecken habe ich diese Jagd im Freigehege einmalig gestattet und die Maus rechtzeitig erlöst).
Sie werden von meinen Terrapene mit am zutraulichsten und können ihrem Pfleger bei Handlungen im Terrarium (aber auch im Freigehege) arg lästig auf den Leib rücken, so dass man immer auf seine Finger achten muss! Keine meiner Bewegungen im Terrarien-Zimmer entgeht ihren Raubvogel-Blicken und sie beobachten genau, ob ich die Dose mit Grillen oder Zophobas hervorhole und nur dann kommen sie gierig an die Scheibe gestürmt.
 
Haltung/Zucht
 
Diese Art gilt leider als etwas heikel, wobei sie bei Beachtung einiger Grundregeln sehr pflegeleicht wäre. Grundsätzlich ist diese Art im geräumigen Terrarium mit Badegelegenheit zu halten und nur an warmen Sommertagen kommt sie bei mir ins Freigehege. Bei Schönwetterperioden im Sommer darf sie auch Nachts draußen bleiben, ansonsten kommt sie an regnerischen Wetterphasen wieder ins Terrarium. Dies ist sehr wichtig, denn kühle Feuchtigkeit quittieren diese Tiere sofort mit geschwollenen Augen und einer laufenden Nase, sprich Atemwegsinfekten. Fast alle Halter, die ich kenne und die ihre Tiere gedankenlos den ganzen Sommer im Freiland hielten, klagten über Verluste, oftmals erst nach einigen Jahren erfolgreicher Haltung und sogar Nachzucht, aber ein verregneter Sommer genügte, um dieses Trugbild aufzuzeigen und einige meiner Tiere stammen aus solchen Haltungen, in denen der Geschlechtspartner "plötzlich und unerwartet" einging und das verbliebene Tier dann abgegeben wurde. Auch ich hatte zu Beginn diese Probleme, bis ich meine Haltung konsequent "nach dem Wetterbericht" ausrichtete und die Tiere nun sofort zu Beginn einer Schlechtwetterperiode hereinhole und Infekte seitdem ausbleiben.
Die Temperaturen sollten tagsüber über 25°C liegen und die Gelegenheit zum Sonnenbad bei 40°C muss regelmäßig gegeben sein, wie gesagt, im Freigehege im natürlichen Sonnenlicht, oder im Terrarium mittels geeigneter Strahler (z.B. HQI). Nachtabsenkung auf unter 20°C ist ebenfalls wichtig. Das Problem ist nun, bei ausschließlicher Haltung im Terrarium gedeihen die Tiere auch nicht vorteilhaft, es kommt zu unschönem, meist zu flachem Panzerwachstum und anderen Mangelerscheinungen. Da die Tiere aber wie gesagt sehr zahm werden, reagieren sie auf das häufige Umsetzen von Terrarium/Freilandanlage sehr gelassen und werden nicht wie die z.B. stressanfälligeren europ. LSK dadurch beeinträchtigt. Futter wie bei den anderen Terrapene beschrieben, bei adulten Tieren unbedingt drei Fastentage pro Woche einlegen, tragende Weibchen ausgenommen, ihnen ist auch zerkleinerte Sepiaschale anzubieten (gilt für alle Terrapene). Winterruhe ist notwendig, diese ist wie bei den anderen Terrapene-Arten durchzuführen.
Die Paarung ist etwas ruppiger und findet ebenfalls von Frühjahr bis Herbst statt. Besonders stimulierend wirkt bei meinen Tieren das Einsetzen ins Freigehege bei Sonnenschein. Eiablage ebenfalls in den Abendstunden, es werden 2-6 Eier gelegt, aus denen nach ca. 61 Tagen dann der Schlupf erfolgt. Inkubation nicht ganz so feucht, die Aufzucht ist etwas schwieriger und nicht wenige Babies überleben die ersten Wochen nicht. Man sollte deshalb beim Kauf auf mindestens halbjährige, stabilere Tiere bestehen.
 
 
Text und Bilder von Jens Lindner.

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