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Riesen-Dosenschildkröte - Terrapene carolina major

Die Riesen-Dosenschildkröte ist die größte und aquatilste Terrapene-Art.
 
Der Carapax ist hochgewölbt, dunkelbraun bis schwarz, mit wenigen, oftmals gar keinen Zeichnungen, die durch braune und dunkle Pigmente verwaschen wirken und erreicht eine Länge von 12,7 bis 19 cm. Das größte je gefundene Exemplar maß 21,5 cm.
Die Randschilde sind insbesondere bei älteren Tieren oft nach außen verbreitert und aufgebogen. Man findet strahlenförmige und aus gelben Flecken bestehende Zeichnungsmuster. Ein schwach ausgeprägter Mittelkiel ist mitunter vorhanden.
Das Plastron ist meist hornfarben bis einfarbig hell und stets ohne Zeichnung, der Kopf und die Extremitäten sind meist dunkel bis ganz schwarz und meist nur wenig gefleckt. Ältere Tiere weisen durch Altersmelanismus manchmal weisse Kopf- und Kieferpartien auf. An den Hinterfüßen befinden sich in der Regel vier Zehen.
Plastron des Männchens ist zumeist nur schwach bis nicht konkav gewölbt. Die Männchen besitzen derbere, kräftige Hinterklauen, zum Einhaken in den weiblichen Plastron bei der Paarung. Männchen haben einen kräftigeren und längeren Schwanz. Die Iris ist oft bei Männchen rot gefärbt, bei Weibchen gelb oder dunkel. Dies ist aber trotz manchmal gegenteiliger Behauptung, oder in vielen Büchern dargelegt, kein sicheres Unterscheidungsmerkmal.
Wie der Trivialname schon sagt, kann der Panzer komplett mittels Scharnier am Kopf- und Schwanzende bei Gefahr verschlossen werden. In menschlicher Obhut kommt dies aber so gut wie nie vor, selbstaufgezogene Nachzuchten gehören zu den zahmsten und neugierigsten Reptilien überhaupt.
Terrapene carolina major wird leider sehr oft mit Terrapene carolina carolina verwechselt und ich habe schon sehr viele Halter besonders von hellen Exemplaren dieser Art, überzeugen müssen, keine Besitzer von T.c.carolina zu sein. Dabei ist die Unterscheidung denkbar einfach: Das Plastron ist bei T.c.major im Gegensatz zu T.c.c. immer hell und zeichnungslos! Vom eindeutigen Größenunterschied noch einmal ganz abgesehen.
 
Vorkommen
 
USA, entlang der Küste des Golfs von Mexiko, Süd-Mississippi, Süd-Alabama und West-Florida. Die größten Tiere wurden in einer isolierten Population auf der Insel St.Vincent vor der Nord-West Küste Floridas gefunden.
 
Lebensraum
 
Feuchtwiesen, Sumpfgebiete, entlang und meist in Bächen und Gräben. Am stärksten von allen Arten des Carolina-Komplexes ans Wasser gebunden.
 
Lebensweise
 
Die Tiere nutzen die morgendliche und abendliche Kühle (und höhere Luftfeuchte), um auf Jagd zu gehen und für andere Aktivitäten. Sie sind ungeschickte Schwimmer (keine Schwimmhäute) und laufen auf dem Grund von Gewässern, kommen aber auch mit tiefen Gewässern gut zurecht. Bei dieser Art findet die Paarung fast immer im flachen Wasser statt, was bei der Haltung zu berücksichtigen ist.
Sie lieben warme Sommerregen, da dann zahlreiche Beutetiere zu finden sind. Sie sind eifrige und geschickte Jäger, die sich von allen Arten von Insekten und sonstigen Wirbellosen, bis hin zu Wirbeltieren, wie jungen Mäusen, oder sogar jungen Schlangen ernähren. Sie machen auf alles Jagd, was sie überwältigen können. Aber auch pflanzliche Kost gehört zu ihrem Speiseplan dazu.
Wie oft in der Tierwelt zu beobachten, gehören die Beutegreifer unter den Tieren eher zu den intelligenteren, da sie in der Lage sein müssen, gewisse Taktiken und Maßnahmen zu ergreifen, um eine Beute zu erjagen, während das Futter der Pflanzenfresser nicht wegläuft. Dies dürfte der Grund dafür sein, das Terrapene zu den faszinierensten Schildkröten überhaupt gehören, da sie sehr zahm werden, sehr aktiv und außergewöhnlich flink sind und fast eine persönliche Beziehung zum Pfleger aufbauen. Darüber hinaus bestechen sie durch ihre starke Individualität, jedes Tier ist eine ganz eigene Persönlichkeit mit eigenen Vorlieben, was allgemeine Haltungsrichtlinien natürlich etwas erschwert und ein wenig Fingerspitzengefühle beim Halter voraussetzt...
Auch diese Terrapene-Art ist deshalb für Anfänger wenig geeignet und sie ist vor allem keine Landschildkröte für die Gartenhaltung ohne geeignete Schutzmassnahmen, insbesondere da sie aufgrund ihres Herkunftsgebietes eine sehr wärmebedürftige Art ist, die bei ungeschützter Freilandhaltung schnell erkrankt.
 
Haltung/Zucht
 
Auch diese Terrapene-Art benötigt im Sommer zwingend einen Freilandaufenthalt, mit entsprechenden technischen Hilfen, um die im Vergleich zu den südlichen USA zu kühlen Sommer in Deutschland auszugleichen. In der Übergangszeit und zur Winterruhe ist dann eine geräumige Terrarienhaltung zu gewährleisten. Unbedingt gehört zur Grundausstattung eine geräumige Badegelegenheit und Versteckmöglichkeiten. Als Untergrund empfiehlt sich stets feucht zu haltende Pinienborke oder ähnliche Rindenprodukte (z.B. REPTIBARK u.ä.) auch feuchtes Kokossubstrat ist gut geeignet, verschmutzt aber das Badebecken stärker.
Temperaturen im Sommer tagsüber stets über 23°C. Die weitere Einrichtung ergibt sich aus der Beschreibung des Lebensraumes. Tägliches, warmes Übersprühen lieben die Tiere.
Fütterung ist absolut unproblematisch, gefressen wird eigentlich alles, so dass man eigentlich nur schädliches von geeignetem unterscheiden und die Menge regulieren muss. Als besonders geeignet haben sich Schildkrötenpudding, Zophobas, Grillen und Heimchen und besonders nestjunge Mäuse erwiesen. Dazu gehören Löwenzahn, Rucola, Salat, diverse Wildkräuter, seltener Obst und Pilze. Besonders bei Mäusebabies geraten die Terrapene in einen regelrechten Jagd- und Blutrausch und man muss sehr aufpassen, dass jedes Tier seine Portion bekommt und sich nicht gegenseitig verletzt!
Bei dieser Haltung schreiten die Tiere dann recht leicht zur Fortpflanzung Paarungen finden von Frühjahr bis Herbst statt und manche Männchen muss man von den Weibchen trennen, da sie zu stark bedrängen. Von Mai bis Anfang August ist Eiablage-Zeit, es sind bis zu vier Eiablagen möglich. Nach etwa zwei bis viereinhalb Monaten (je nach Temperatur) schlüpfen die 26-28 mm großen Jungtiere. Diese fressen bald kleine Insekten. Die Inkubation bereitet leider auch heute noch die größte Herausforderung bei der Haltung in menschlicher Obhut. Das Problem liegt offensichtlich in der Substrat- und Luftfeuchtigkeit während der Inkubation.
Die Tiere sollten von Ende Dezember bis Ende Februar eine Winterruhe (nicht -starre!) bei ca. 16°C und abgeschalteter Beleuchtung halten.
Bei guter Pflege erreicht Terrapene das höchste Schildkröten-Alter nach den Galapagosschildkröten, nämlich bis 138 Jahre (wie NÖLLERT 1992 belegen konnte).
 
 
Text und Bilder von Jens Lindner

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